v.l. Seiler, Barbara; Wallner, Maximiliane; Vanisvoa; Vanda; Wei, Ruoqi
Auf seine Spitzenspielerin Aleksandra Bokova musste der TTC Langweid lange warten, auf die ersten Erfolgserlebnisse der neuen Bundesligasaison dagegen nicht: Mit einem hart erkämpften 5:5 gegen den hessischen TTC Langen 1950 und einem 6:2 gegen die DJK Sportbund Stuttgart gelang den Tischtennis-Damen kein optimaler, aber ein guter Auftakt. Weil auch die zweite Mannschaft ihre beiden Regionalliga-Heimspiele gewann, gab es am Ende eines Wochenendes, das Spielerinnen und Vereinshelfer an und neben den Tischen forderte, reichlich Grund zur Freude.
Selbst das vermeintlich enttäuschende Unentschieden gegen Langen fühlte sich angesichts der Vorgeschichte beinahe wie ein Sieg an. Flugausfälle und Verspätungen hatten Bokovas Anreise um einen Tag verzögert und aus der geplanten Vorbereitung auf den Saisonauftakt einen Wettlauf gegen die Zeit gemacht. Die 17-jährige Russin spielt seit der vergangenen Rückrunde für Langweid und hatte im Sommer mit Einzelbronze bei den Jugendeuropameisterschaften auf sich aufmerksam gemacht. Nun musste sie schon vor ihrem ersten Ballwechsel eine erhebliche Belastungsprobe überstehen.
Als Bokova endlich in München landete, nahm Vitalija „Vita“ Venckute sie in Empfang. Die für diese Begegnung „nur“ als Coach eingeplante Mannschaftskollegin hatte spontan den Chauffeurdienst übernommen und machte sich mit ihr auf den Weg nach Langweid, wo die ebenfalls 17-jährige Vanda Vanisova aus dem Regionalligateam für die verspätete Bokova im Doppel einsprang.
Während der Fahrt hielt sich Bokova über den Stand der Doppel auf dem Laufenden und übermittelte TTC-Geschäftsführerin Barbara Jungbauer die verbleibende Fahrzeit. Zwischen den Countdown-Meldungen – noch 22 Minuten, dann 15, acht – galt es auch noch die Frage zu klären, welche Trikotfarbe die Mannschaft an diesem Tag trug. Die Vorbereitung auf den Einsatz fand kurzerhand im Auto statt, wo sich Bokova Trikot und Shorts überstreifte, während die gemeldete Restfahrzeit auf fünf, vier, drei, zwei und schließlich eine Minute schrumpfte. Dann kam die erlösende Nachricht: „arrived!“ Die Russin erreichte die Halle gerade noch rechtzeitig zu ihrem ersten Einzel, musste allerdings ohne Aufwärmen und Einspielen direkt an den Tisch.
Die Doppel hatten zwar ausreichend lange gedauert, um Bokovas rechtzeitiges Eintreffen zu ermöglichen, waren aber beide verloren gegangen. In den Einzeln brauchte es daher eine deutliche Steigerung, für die vor allem Yang Ting und Ruoqi Wei sorgten. Während die erfahrene Abwehrspielerin beide Gegnerinnen ohne Satzverlust bezwang, überzeugte die erst 16-jährige Wei bei ihrem TTCL-Debüt ebenfalls mit zwei Siegen und sicherte im letzten Einzel gegen Veronika Vasylenko das 5:5. Dass Langweid bis dahin auf einen Punktgewinn hoffen durfte, war auch der erschöpften Bokova zu verdanken, die nach ihrer Niederlage gegen Anastasia Bondareva noch einmal alle Kräfte mobilisierte und Sofia Vega nach Abwehr von Matchbällen mit 12:10 im fünften Satz niederrang.
Beim 6:2 gegen Stuttgart am Sonntag schufen Bokova/Venckute und Yang/Wong mit zwei Doppelerfolgen früh eine günstigere Ausgangslage, ehe drei weitere Siege den Vorsprung auf 5:0 anwachsen ließen. Die in Hongkong geborene Engländerin Jasmin Wong gewann dabei gegen Paulina Friebe ihr erstes Einzel für den TTC und belohnte sich nach dem noch von reichlich Lampenfieber begleiteten Auftakt am Samstag mit einem Erfolgserlebnis. Zwar verkürzten die Gäste anschließend auf 2:5, doch Yang Ting machte mit einem klaren Sieg über Alexandra Schankula den ersten Mannschaftserfolg perfekt. Die Abwehrspielerin blieb damit in allen vier Einzeln des Wochenendes ungeschlagen; Venckute hatte am Sonntag Weis Platz im Einzel übernommen.
Über die drei Punkte hinaus freute man sich beim TTC über einen spürbaren Teamgeist, den man in der jüngeren Vergangenheit zuweilen vermisst hatte. Die Neuzugänge Wong und Wei waren sofort mittendrin und erwiesen sich auch menschlich als großer Gewinn. Der Zusammenhalt und die Einsatzfreude der Mannschaft wirkten ansteckend, der Draht zum Publikum war schnell da. Dass die Spielerinnen auch abseits der Platte vollen Einsatz zeigten und etwa beim Abbau mit anpackten, kam zudem bei den ehrenamtlichen Helfern gut an, die mit Auf- und Abbau, Catering und vielen weiteren Aufgaben alle Hände voll zu tun hatten.
Auch die zweite TTCL-Mannschaft hatte zwei Heimspiele zu bestreiten und holte in der Regionalliga mit zwei Siegen die volle Punkteausbeute. Beim 6:4 gegen den TTV 1980 Beratzhausen am Samstag waren die Gäste vor allem im vorderen Paarkreuz stark besetzt: Ihre Nummer eins Yvonne Kaiser, die in der vergangenen Saison noch in der 2. Bundesliga gespielt hatte, gewann beide Einzel gegen Vanisova und Wei. Die beiden jungen Langweiderinnen steuerten gegen Sibylle Bauer jeweils einen Erfolg bei, nachdem zuvor beide Doppel an Beratzhausen gegangen waren.
Den Ausschlag zugunsten des TTC gaben Romy Steffen und Maximiliane Wallner, die im hinteren Paarkreuz sämtliche vier Einzel gewannen. Dass auch alle drei Fünfsatzspiele an Langweid gingen, zeugte von der Nervenstärke der Gastgeberinnen.
Wesentlich deutlicher fiel das 10:0 gegen den SV Dresden-Mitte 1950 am Sonntag aus, bei dem die erfahrene Barbara Seiler für Steffen ins Team rückte und das Quartett insgesamt nur drei Sätze abgab. Lediglich Wallner musste gegen Sandra Weß bis zum 16:14 im Entscheidungssatz um ihren Erfolg kämpfen, schloss das Wochenende dadurch aber ebenso wie Yang Ting in der ersten Mannschaft mit vier Einzelsiegen ab. Ein besonders umfangreiches Programm bewältigte Ruoqi Wei, die bei ihrem ersten Wochenende im TTC-Trikot zweimal für die zweite und einmal für die erste Mannschaft antrat und dabei fünf ihrer sechs Einzel gewann.
TTC Langweid – TTC Langen 1950 5:5. Doppel: Vanisova/Wei – Bondareva/Vasylenko 1:3, Yang/Wong – Vega/Voitekhova 1:3. Einzel: Bokova – Bondareva 1:3, Yang – Vega 3:0, Wong – Vasylenko 2:3, Wei – Voitekhova 3:2, Bokova – Vega 3:2, Yang – Bondareva 3:0, Wong – Voitekhova 1:3, Wei – Vasylenko 3:1.
TTC Langweid – DJK Sportbund Stuttgart 6:2. Doppel: Bokova/Venckute – Yoshida/Schankula 3:2, Yang/Wong – Mödinger/Friebe 3:0. Einzel: Bokova – Schankula 3:1, Yang – Yoshida 3:2, Wong – Friebe 3:1, Venckute – Mödinger 1:3, Bokova – Yoshida 0:3, Yang – Schankula 3:0.

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